Im Alltag vieler Familien der Stadt ist der Ortsverein Germering fest verankert. Über 1.500 Kinder werden in insgesamt 24 Einrichtungen des Vereins betreut. Hinzu kommen soziale Projekte für Kinder, Jugendliche und Eltern. Im Gespräch berichten die Geschäftsführerinnen Saskia Schon und Brit Hupp-Alter, wie das intensive soziale Engagement in diesem Bereich über Jahrzehnte hinweg gewachsen ist und nachhaltig aufgebaut werden konnte.
Auf beinahe 70 Jahre Vereinsgeschichte kann der Ortsverein Germering bereits zurückblicken. Gegründet im Jahr 1958 mit einem kleinen, überschaubaren Angebot, das hauptsächlich auf Senior*innen ausgerichtet war, wurde er über die vergangenen Jahrzehnte hinweg zu einem breit aufgestellten Verband aufgebaut – mit klarem Fokus auf die Unterstützung von Kindern, Jugendlichen und Familien. Dazu gehören Kindertageseinrichtungen, Offene und Gebundene Ganztagsschulen, Mittags- und Ferienbetreuung sowie Kurse und soziale Projekte für Familien.
Großer Bedarf an Angeboten für Kinder
„Der Ausgangspunkt für diese Ausrichtung war die Übernahme unserer ersten schulischen Mittagsbetreuung im Jahr 1993“, erzählt Saskia Schon. „Mit der Zeit kamen immer mehr Einrichtungen dazu. Auch, weil wir gesehen haben, dass das Angebot für Senior*innen in der Stadt gut abgedeckt war. Im Bereich Kinder und Jugendliche war der Bedarf noch groß“, so Saskia Schon. Als Leitung des Ortsvereins und eine der beiden Geschäftsführerinnen arbeitet Saskia Schon bereits seit 25 Jahren bei der AWO Germering. Wie kaum eine Andere prägte sie in dieser Zeit das Profil des Ortsvereins.
So war sie auch eine treibende Kraft bei der Gründung des Familiencafés im Jahr 2003, das bis heute noch in der Passage des Mehrgenerationenhauses Zenja zu finden ist, in dem auch die Geschäftsstelle des Ortsvereins ihren Sitz hat. Als Mütter- und Familienzentrum bieten hier ehrenamtliche Mitarbeiter*innen verschiedene offene Spiel- und Krabbelgruppen für Eltern und ihre Kinder bis drei Jahre an. Während die Jüngsten spielen, malen, bauen und basteln, können sich die Eltern vernetzen und austauschen.
Engagement, das verbindet
Über dieses Projekt stieß im selben Jahr Brit Hupp-Alter zum Ortsverein. „2003 war ein Jahr, in dem wir viel bewegt und angestoßen haben“, erzählt Brit Hupp-Alter. Damals noch ehrenamtlich ist sie heute als Geschäftsführerin des Ortsvereins für die Schwerpunkte Strukturen und Personal zuständig. Und auch damals, vor über 20 Jahren, erarbeitete sie gemeinsam mit Saskia Schon neue Strukturen, die den weiteren Weg des Ortsvereins als soziale Säule der Stadt festigten.
Starkes Profil im Schulbereich …
So übernimmt der Ortsverein Germering seither in allen Grundschulen in Germering die Mittags- mit Hausaufgabenbetreuung für Kinder. In den Ferienwochen bietet die AWO Germering mit einer pädagogisch begleiteten Ferienbetreuung für Erst- bis Viertklässler ein abwechslungsreiches Programm mit Ausflügen, Spielen und kreativen Aktionen.
Im Jahr 2010 übernahm der Ortsverein außerdem die Leitung zweier Offener Ganztagesschulen und zwei Jahre darauf einen Hort vom Bezirksverband Oberbayern. Mittlerweile gehören insgesamt sechs Offene Ganztagsschulen zu den Angeboten der AWO Germering. Als freier Träger betreut der Ortsverein dabei die Schüler*innen nach Unterrichtsende mit einem zusätzlichen Nachmittagsprogramm, das der Schulpflicht unterliegt.
… und über die Stadtgrenzen hinweg
Auch in Gröbenzell, Eichenau und Jesenwang ist der Ortsverein Germering aktiv. „Im Jahr 2022 haben wir die Mittagsbetreuungen an insgesamt sechs Schulen der umliegenden Ortschaften vom Kreisverband Fürstenfeldbruck übernommen“, erzählt Saskia Schon. „Diese Vergrößerung auf einen Schlag war schon beachtlich für uns als Ortsverein.“ Ein weiteres, ganz besonderes Angebot für Schüler*innen ist das Projekt „Wir helfen Schüler*innen“ (WHS), das bereits seit über zehn Jahren läuft: Ehrenamtliche unterstützen Kinder direkt an verschiedenen Germeringer Schulen beim Lesen und Lernen. Besonders an der Theresen-Grundschule sind Lesepaten sogar im Unterricht aktiv.
Betreuung für die Kleinsten
Auch die Kleinsten sind in den Einrichtungen bestens versorgt. In der Krippe „Villa Bambini“ werden Kinder in drei Gruppen bis zum Eintritt in den Kindergarten begleitet. Seit September 2021 bietet der Ortsverein die Mini-Kita „AWOlinis“ im Mehrgenerationenhaus Zenja an – eine frühe Bildungseinrichtung, die sich speziell an Kleinkinder ab etwa 20 Monaten richtet. „Sie war die erste Einrichtung dieser Art im Landkreis Fürstenfeldbruck“, berichtet Saskia Schon. Die halbtägige Betreuung fördert spielerisches Lernen, soziales Miteinander und frühe Bildungsprozesse. „Das Angebot wurde von den Familien sehr gut angenommen. Mittlerweile haben wir sogar zwei Mini-Kitas.“
Vor drei Jahren eröffnete der „Zaubergarten“ als liebevoll gestaltete Einstiegsgruppe. Das Modellprojekt wurde von der Bayerischen Regierung gefördert mit dem Ziel, dem stark steigenden Bedarf an Bildung, Erziehung und Betreuung durch eine verringerte Fachkraftquote entgegenzuwirken und Betreuungsplätze zu schaffen. „Die Betreuung der Kinder wurde dabei von Fach- und Ergänzungs- sowie Assistenzkräften unter der fachlichen Begleitung einer Paten-Einrichtung sichergestellt“, erzählt Brit Hupp-Alter. „Im letzten Jahr haben wir die Einstiegsgruppe in ein vollwertiges Kinderhaus für Kinder im Alter von 12 Monaten bis zum Schuleintritt umgewandelt.“
Soziale Teilhabe für alle
Neben den klassischen Betreuungsangeboten in den Einrichtungen gehört zur Arbeit des Ortsvereins auch die Förderung von sozialer Begegnung und nachhaltigem Konsum: Der Second-Hand-Laden „AWOlinchen“ im Mehrgenerationenhaus bietet seit mehr als zwanzig Jahren Kleidung, Spielsachen und Bücher für Kinder zu günstigen Preisen an, betrieben von ehrenamtlichen Helfer*innen als Ort der Nachbarschaft und des Austauschs. „Durch den Austausch im Familiencafé haben wir viele Kontakte zu jungen Frauen und Männern aufgebaut, die sich dazu entschlossen haben, sich bei uns neben ihrer Arbeit im Ehrenamt zu engagieren, zum Beispiel im AWOlinchen“, erzählt Brit Hupp-Alter.
Von Menschen für Menschen
Die Vernetzung, der starke Zusammenhalt und der enge Kontakt zu allen Einrichtungen sind bedeutende Pfeiler des Ortsvereins. „Die Arbeit mit und an Menschen ist eine ganz besondere, vor allem durch das direkte Feedback“, so Saskia Schon. „Wir haben hier die Möglichkeit, unsere Arbeit selbst zu gestalten und machen für unsere Mitarbeiter*innen möglich, Familie und Beruf bestmöglich zu vereinbaren.“
Dass der Ortsverein langfristig und nachhaltig gute Arbeit leistet, zeigt sich auch daran, dass einige der heutigen Mitarbeiter*innen bereits als Kinder in den Einrichtungen des Ortsvereins waren. Später machten einige von ihnen ein Freiwilliges Soziales Jahr bei der AWO Germering, eine Ausbildung und/oder arbeiteten später im Verein – ein größeres Kompliment und ein besseres Zeugnis für die eigene Arbeit kann es kaum geben.
Alexa Dinauer
Foto v.l.n.r.: Die Geschäftsführerinnen des Ortsvereins Germering Brit Hupp-Alter und Saskia Schon. © AWO-Bezirksverband Oberbayern e.V.
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